Blog 3: Schönheit

verdorrte Rose

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Doch wer ist eigentlich dieser Betrachter? Sind wir alle Betrachtende oder teilt sich die Menschheit auf in Betrachtende und Betrachtete? Wenn man Simone de Beauvoir folgt, sind wir Frauen beides: Betrachtete sowie Betrachterinnen. Nämlich von uns selbst. Und zwar durch die Augen des Mannes. Und das ist ein Problem. Denn wir bewerten uns oftmals nach männlichen Kriterien – zumeist unhinterfragt.

Letzte Woche hatte ich Besuch von einem Mädchen, das an einer Essstörung leidet. Sie ist nicht mehr einfach nur dünn, sie ist nur noch Haut und Knochen. Sie habe sich früher halt als zu dick empfunden. Wurde deshalb von ihren Peers gehänselt. Ein extremes Beispiel für die Konsequenzen dieser Schönheitsideale.

Und heute Morgen brachte mir meine Tochter das Bild einer Fee von der Schule mit nach Hause. Das Fabelwesen zierte das Geburtstagsküchlein einer Freundin. Meine Tochter streckte mir das Feenbild entgegen, da sie es mir schenken wollte. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Die Fee war makellos: Lange schlanke Beine, Wespentaille, graziler langer Hals. Und ihre Pose: aufreizend wie ein Pin-Up aus den fünfziger Jahren. Wie kann es sein, dass unsere Mädchen im Jahr 2025 immer noch dieses Frauenbild vermittelt bekommen?

Der weibliche Körper wird oft als etwas betrachtet, das nicht uns selbst gehört. Wir sollen ihn hegen und pflegen, aber auch anderen zur Verfügung stellen. Den Männern, der Werbung, der Industrie, den Kindern. Zumindest so lange wie unsere Eierstöcke brav Monat für Monat Follikel zum Platzen bringen. Wie können wir diese Bilder nachhaltig hinterfragen und ein neues Verständnis von Schönheit und Selbstbestimmung entwickeln?

Bild: Andrew Johnson

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