{"id":784,"date":"2026-01-23T11:55:04","date_gmt":"2026-01-23T11:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/?p=784"},"modified":"2026-01-23T12:00:52","modified_gmt":"2026-01-23T12:00:52","slug":"blog-5-was-wenn-alles-bloss-ein-traum-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/blog-5-was-wenn-alles-bloss-ein-traum-ist\/","title":{"rendered":"Blog 5 \u2013 Was, wenn alles bloss ein Traum ist?"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"618\" src=\"https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum-1024x618.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-786 size-full\" srcset=\"https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum-1024x618.jpg 1024w, https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum-300x181.jpg 300w, https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum-768x463.jpg 768w, https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum-1536x926.jpg 1536w, https:\/\/denisedonatsch.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blog-5-Universum.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Descartes (* 31. M\u00e4rz 1596 in La Haye en Touraine; \u2020 11. Februar 1650) gilt als der Begr\u00fcnder des modernen fr\u00fchneuzeitlichen Rationalismus. 1628\/29 entstanden seine Meditationes de prima philosophia, in welchen er radikal alles anzweifelte, was der Mensch im Regelfall als gegeben annimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er beginnt mit der Sinneswahrnehmung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abNun habe ich alles, was ich bislang als ganz wahr habe gelten lassen, entweder von den Sinnen oder vermittelt durch die Sinne erhalten. Aber ich habe entdeckt, dass die Sinne zuweilen t\u00e4uschen, und Klugheit verlangt, sich niemals blind auf jene zu verlassen, die uns auch nur einmal betrogen haben.\u00bb (Descartes, Erste Meditation)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um sein obiges Zitat zu untermauern, beschreibt Descartes T\u00e4uschungs-Ph\u00e4nomene, die uns \u2013 unter anderem \u2013 durch die Distanz begegnen. Ist es Ihnen nicht auch schon einmal so ergangen, dass sie aus der Entfernung glaubten, etwas zu erkennen, aber je mehr Sie sich diesem Ding n\u00e4herten, umso st\u00e4rker waren Sie gezwungen einzusehen, sich get\u00e4uscht zu haben? Ich besinne mich beispielsweise etlicher Situationen, in welchen ich aus der Distanz davon \u00fcberzeugt war, jemanden zu erkennen \u2013 bei n\u00e4herer Betrachtung jedoch zum Schluss kommen musste, dass es sich um eine mir unbekannte Person handelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Descartes gibt an dieser Stelle seines Radikalen Zweifels mitnichten auf. Er zweifelt weiter:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abAber obwohl uns die Sinne zuweilen bei winzigen und weit entfernten Dingen t\u00e4uschen, so gibt es gleichwohl doch manches andere, an dem schlichtweg nicht gezweifelt werden kann, obwohl es aus ihnen [den Sinnen] gesch\u00f6pft wird: wie etwa, dass ich jetzt hier bin, beim Feuer sitze, mit einem Wintermantel bekleidet bin, dieses Papier mit meinen H\u00e4nden ber\u00fchre und dergleichen.\u00bb (ibidem)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Descartes uns hier f\u00fcr einen winzigen Moment in der Annahme l\u00e4sst, er wolle der Aussenwelt, den materiellen Dingen, der Res Extensa, tats\u00e4chlich eine wahrhaftige Existenz zugestehen, verwirft er jenen kurzen Moment der Hoffnung jedoch sogleich wieder mit seiner These, es k\u00f6nnte alles bloss ein Traum sein:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWie oft n\u00e4mlich bin ich nachts im Schlaf von eben solchen Allt\u00e4glichkeiten \u00fcberzeugt, wie etwa, dass ich hier bin, einen Mantel trage, beim Feuer sitze \u2013 w\u00e4hrend ich doch entkleidet im Bett liege!\u00bb (ibidem)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch vor dem eigenen K\u00f6rper macht Descartes nicht halt, selbst dieser k\u00f6nnte bloss eine Ausgeburt unserer Einbildung sein. Bei Disziplinen wie der Arithmetik und der Geometrie h\u00e4lt er jedoch inne:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDenn ob ich nun wache oder schlafe: zwei und drei miteinander addiert ergeben f\u00fcnf, und das Quadrat besitzt nicht mehr als vier Seiten; und es scheint ganz unm\u00f6glich zu sein, dass so transparente [a priori] Wahrheiten in den Verdacht der Falschheit geraten.\u00bb (ibidem)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle von Descartes Meditation kommt ein boshafter Genius (b\u00f6ser Geist) ins Spiel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch will daher voraussetzen, nicht der wohlmeinendste Gott, die Quelle der Wahrheit, sondern irgendein boshafter Genius, ebenso allm\u00e4chtig wie verschlagen, setze all seine Hartn\u00e4ckigkeit darein, mich zu t\u00e4uschen.\u00bb (ibidem)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun k\u00f6nnte man sagen, es sei schlicht riesiger Quatsch, es g\u00e4be ja wohl kaum einen b\u00f6sen Geist. Das Problem: Weder die Existenz noch die Nichtexistenz einer Gottheit\/eines Geistes l\u00e4sst sich beweisen (siehe dazu das Philosophische Gedankenexperiment \u00abTeekanne\u00bb auf SRF Kultur Sternstunde (unten verlinkt)).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Descartes kommt darum zu seinem ber\u00fchmten Schluss:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abZweifelsohne bin ich selbst also, wenn er [der Genius malignus] mich t\u00e4uscht; und er m\u00f6ge mich t\u00e4uschen, soviel er kann, niemals wird er bewirken, dass ich nichts bin; so dass schliesslich, nachdem ich es zur Gen\u00fcge \u00fcberlegt habe, festgestellt werden muss, dass dieser Grundsatz \u2018Ich bin, ich existiere, sooft er von mir ausgesprochen oder durch den Geist begriffen wird, notwendig wahr ist.\u00bb (ibidem)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gem\u00e4ss Descartes gibt es also genau eine Sache, die zweifelsfrei bewiesen werden kann: Dass es ein Ich gibt, welches \u00fcber all diese Dinge nachdenken, zweifeln kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch sind wir hier fertig? Ist es tats\u00e4chlich unm\u00f6glich, noch weitere Entit\u00e4ten als unzweifelhaft festzumachen? Wie ist es beispielsweise mit der Zeit? Denn wenn es ein Ich gibt, das denken kann, muss dann nicht auch ein Gedanke existieren? Und hat ein Gedanke nicht einen Anfangspunkt (t1) und einen Endpunkt (t2)? Und gibt es zwischen t1 und t2 nicht eine Zeitspanne ( Delta-t)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Link Teekanne: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TwnWnl3kf1I&amp;t=15s&amp;fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAYnJpZBEwRVpPa0lMdWc2dk5IdHJ5enNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR5gaa-NFeXPLrDMp36lPBPiIxpY2JajE5hJF1Tbw3_mA7cNnByYll4XY0kI0g_aem_CnYNCXOkQcZjZ6m5L9ocDg\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TwnWnl3kf1I&amp;t=15s<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Ren\u00e9 Descartes, Meditationen, Felix Meiner Verlag Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bild: \u0418\u043b\u044c\u044f \u041c\u0435\u043b\u044c\u043d\u0438\u0447\u0435\u043d\u043a\u043e<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Descartes (* 31. M\u00e4rz 1596 in La Haye en Touraine; \u2020 11. 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