Blog 6 – Zeit als Brücke? – Eine Analyse

Könnte die Zeit also als Brücke fungieren? Ist sie die lang ersehnte Entität, welche Geist und Körper zu verbinden vermag? Momentan komme ich zum Schluss – leider nein.
Warum? Nehmen wir die Quantenphysik: Dort spricht man von der Planck-Zeit, definiert als die theoretisch kleinste messbare Zeit, die Licht benötigt, um eine Planck-Länge zurückzulegen. Nun könnte man sagen: Na wunderbar! Wenn Zeit benötigt wird (Delta t), damit das denkende Etwas einen Gedanken fassen kann, und Zeit in der Quantenphysik über die Zeitspanne definiert wird, die Photonen für eine Planck-Länge brauchen, dann muss es doch so etwas wie «Länge» geben. Und Photonen.

Photonen sind Quantenobjekte, die – weil stets in Bewegung – über Energie und einen Impuls verfügen. Auch wenn sie keine Ruhemasse besitzen, sind sie im Sinne der Äquivalenz von Energie und Masse (E = mc2) untrennbar mit der physikalischen Welt verbunden. Wenn die Planck-Zeit also über ein Teilchen definiert wird, das eine energetische Existenz in Raum und Länge besitzt, dann muss folglich die physikalische Welt zwingend mit der Zeit verwoben sein.
Wenn also Zeit im Geist als Bedingung der Möglichkeit für Gedanken existiert und ebendiese Zeit über physikalische Prozesse definiert wird, die Raum und Energie voraussetzen, könnte man meinen: Es muss eine Aussenwelt (Materie) geben und die Zeit ist das verbindende Stück.
Das Problem: Ich muss für diese Herleitung die Quantenphysik bereits als wahr voraussetzen, um die Existenz der Materie durch die Zeit zu beweisen. Das führt – ihr habt es sicher bereits gemerkt – zu einem Zirkelschluss: Ich erkläre die Brücke mit den Bausteinen des einen Ufers (der Materie) und wundere mich, dass ich das andere Ufer (den Geist) damit nicht erschliessen kann. Zudem stellt sich immer die fundamentale Frage: Ist die physikalische, messbare Zeit überhaupt identisch mit der erlebten Zeit unseres Bewusstseins?
Es bleibt im Moment nur die Conclusio: non-q.e.d.
Wie sieht es mit der Relativitätstheorie als «Retterin» der Zeit als Brücke zwischen Leib und Seele aus? Leider auch nicht besser! Man könnte argumentieren, dass die Zeit, die dem Gedankengang eine Bühne bietet, gemäss der Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie untrennbar mit dem Raum zur Raumzeit verschmolzen ist. Nur haben wir hier dasselbe Problem wie bei der Quantenzeit: Ich muss die Relativitätstheorie (also die Existenz von Zeit und Raum) als Axiom akzeptieren, um die Brücke zu schlagen, was erneut in einem logischen Zirkel endet.

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